Tagesarchiv für den 21. Juli 2006

Sommer im Rechenzentrum

Freitag, den 21. Juli 2006

Wie wirkt sich die aktuelle Hitze eigentlich auf die Server im Rechenzentrum aus?

Um diese Frage zu beantworten reicht ein kleiner Blick auf die Werte der Temperatursensoren. In jedem Rack haben wir einen Sensor im hinteren Teil des Schrankes hängen; wir messen damit also die Abluft des Racks. Die Temperatur des Raumes zu messen brächte in unserem Fall überhaupt nichts; zum einen messen die Klimaanlagen des Betreibers die Raumtemperatur (um die Leistung zu regulieren), zum anderen wollen wir feststellen ob in einem bestimmten Rack Hitzeprobleme auftauchen (und nicht davor…).

Die Sensoren basieren auf den genial einfachen DS18(S)20 von Dallas (bei Reichelt für knapp über 5 Euro zu haben). Die Steuerung erfolgt über das 1-Wire-Protocol, der Anschluss mit nur zwei Adern ist daher ziemlich einfach. Für die Ansteuerung über den seriellen Port benötigt man auch nur eine Hand voll Widerstände und Kondensatoren; wir haben diese sehr kompakt auf zurechtgesägte Lochplatinen gelötet und diese direkt im Gehäuse des RS232-Steckers untergebracht (ja, das erfordert ein wenig Geduld :-) , andere Leute versenken die Schaltung einfach in einer Fisherman’s Friends Dose oder löten die direkt auf den RS232-Stecker (habe ich anfangs auch versucht, musste aber aufgeben…). Der Sensor ist bereits vorkalibriert, und mit einfachster Software wie z.B. DigiTemp unter Linux auslesbar.

Das Ganze haben wir schon seit einigen Jahren im Einsatz; inzwischen gibt’s auch fertige Lösungen relativ günstig zu kaufen, wie beispielsweise das ALL3000 oder ALL4000 von ALLNET.

Die Sensorwerte stellen wir über ein kleines Script per SNMP zur Verfügung und lassen diese von MRTG und Nagios auslesen. Nagios alarmiert uns per Mail & SMS wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird (hier: 40°), während MRTG aus den Werten hübsche Graphen zeichnet. Wer die Werte von Rack #1 beispielsweise mehr oder weniger live sehen will, kann das auf unserer Technik-Seite.

Der tägliche Graph von MRTG zeigt einen leichten Anstieg der Temperaturen:

Temperatur Tagesdurchschnitt
Im Jahresdurchscnitt sieht die Lage aber anders aus:

Temperatur Jahresdurchschnitt
Zur Interpretation: das die Temperatur tagsüber um ca. 1-2 Grad zulegt hängt mit zwei Faktoren zusammen. Zum einen muss die Klimaanlage bei den heißen Tagestemperaturen natürlich deutlich mehr leisten als nachts. Zum anderen finden tagsüber auch mehr Zugriffe auf die Server statt, was deren Betriebstemperatur ein klein wenig steigen lässt (das ist im Einzelnen zwar marginal, bei einem Rack macht sich das aber durchaus bemerkbar).
Dass wir es im Jahresmittel immer noch vergleichsweise kühl haben hat einfach nur damit zu tun, dass seit Ende November 2005 zusätzliche Racklüfter die Wärme aus den Schränken pumpen. :-) Man sieht also, dass die Klimaanlage sowohl im kalten Winter als auch im heißesten Sommer eine geradezu konstante Temperatur schafft (soll sie ja auch…). Nur dürfte der Stromverbrauch der Klimaanlage im Winter brutal niedriger sein, da dort schließlich nur die Kaltluft von Außen umgepumpt wird.