Schminkspiegel mit Linux

Um mein in die Tage gekommenes Subnotebook (Sony Vaio) preiswert zu ersetzen habe ich mir kürzlich ein “Netbook” zugelegt: die Wahl fiel auf das Acer Aspire One A150L. Die Ausstattung und Verarbeitungsqualität sind für den Preis in Ordnung. Aber mir drängen sich drei Fragen auf:

1.) Schminkspiegel?

Warum um alles in der Welt wurden spiegelnde Notebookdisplays erfunden? Damit die Videos auf den Ausstellungsstücken im Elektronikmarkt bunter ausgucken?

Ich habe heute früh mal ein Foto mit dem Gerät auf unserer Terasse gemacht. Ironischerweise hat der Autofokus bei mittlerem Fokusfeld automatisch durch den Display-Spiegel auf mich fokussiert :-) (das folgende Foto ist nicht nachbearbeitet!)

Aspire Linux-Schminkspiegel

Außen ist das A150L also trotz des ansonsten hellen und schönen Displays leider nicht zu gebrauchen. Selbst mit optionaler Entspiegelungsfolie glänzt der breite Rahmen außen herum immer noch mehr als notwendig.

Interessant ist, dass die “offiziellen” Produktfotos ein mattes Display zeigen, wie beispielsweise bei Amazon:

Aspire-Display bei Amazon

2.) Turbine?

Ich verstehe nicht, warum eine CPU mit (laut Intel) gerade mal 4 Watt Abwärme durchgehend aktiv gekühlt werden muss. Und warum man dann nicht ein paar Cent mehr ausgibt und einen lautlosen Lüfter verbaut.
Beim allerersten Einschalten habe ich den Lüfter bereits deutlich bemerkt - meiner Meinung nach ist das Notebook in “lautlosen” Umgebungen (Besprechungen usw.) unbrauchbar - auf der Wohnzimmercouch erst recht. Aber vielleicht bin ich da nur etwas zu empfindlich.

3.) Netzteilkabel?

Welcher (Entschuldigung) absolut geistesabwesende Produktmanager legt so einem Netbook ein superkompaktes Netzteil bei, welches dann aber mit einem fetten dreipoligen Stromkabel verbunden wird, das größer und schwerer als das restliche Netzteil ist!?!? (Laut meiner Küchenwaage kommt das Netzteil auf 150g, das Netzkabel alleine auf 183g)

netzteil.jpg

All diese drei Punkte (Display, Lüfter, Netzteil) sind mir auf den allerersten Blick aufgefallen, und alle drei sind meiner Meinung nach ohne großen technischen Aufwand vermeidbar. Mich würde wirklich interessieren, was in den Köpfen der Produktmanager vorgeht, so ein Zeug auf den Markt zu bringen. Entweder wollen die gar kein gutes Gerät bauen und später lieber einen “verbesserten” Nachfolger präsentieren. Oder sie können es einfach nicht besser…

Aber es gibt auch ein paar Vorteile dieses Geräts: zum einen wäre da die 120-GB-Festplatte. Gerade wenn ich mal größere Bildmengen von der digitalen Spiegelreflexkamera auf’s Notebook kopieren möchte wäre bei einer 8-GB-Solid-State-Disk schnell Feierabend (von der Geschwindigkeit mal noch ganz abgesehen). Da verstehe ich nicht warum Asus selbst im EeePC901 keine Festplatte einbaut oder zumindest Platz dafür lässt.
Außerdem gefällt mir das vorinstallierte Linpus-Linux ganz gut. Das Gerät bootet innerhalb von rund 20 Sekunden, WLAN usw. hat auf Anhieb funktioniert, und ansonsten ist die Oberfläche intuitiv benutzbar.
Nicht zuletzt war eigentlich die große Tastatur ausschlaggebend für meine Wahl zum A150L - wenn ich an die “Enter”-Taste vom EeePC denke wird mir schon schwindelig.

Aber so wie es aussieht kann man eben leider nicht Alles haben. Egal für welches Netbook man sich derzeit entscheidet - alle haben irgendwelche (nicht nachvollziehbare) Mankos.

7 Bemerkungen zu “Schminkspiegel mit Linux”

  1. Cywhale

    Vielen Dank für diesen Bericht, demnach kommt das Gerät für mich nicht mehr in Frage. Mir drängt sich langsam der Verdacht auf das mein gebrauchtes, lüfterloses (!) Acer Travelmate mit mattem 1024×768 Display doch eine gute Wahl war.

  2. Klaus Keppler

    Yup, für den Preis (359,- EUR) bekommt man inzwischen auch z.B. ein gebrauchtes Toshiba Portégé R100, für ‘nen Fuffi extra einen neuen Hochleistungsakku obendrauf. Da hat man definitiv mehr davon. :-)

  3. Sebastian

    Also das Foto mit der Spiegelung ist genial! ;)

    Wobei ich selbst auch nicht verstehe, warum diese Schminkspiegel immer verbreiteter werden. ;(

  4. AHCT Azubi

    Ich hatte mittlerweile auch schon die Ehre, mehrere solcher kleinen in Augenschein nehmen zu können.

    Und mit jedemmal wuchs auch meine Überzeugung mein altes 12″ Travelmate 380 zu behalten.
    Momentan ausgerüstet mit 2GB RAM, einer schnellen 250er HDD und ner 8GB CF-Karte (das Mainboard bietet einen 2. IDE-Anschluss für den man sich ‘nur’ nen Adapter zusammenlöten muss) auf der sich in trauter Zweisamkeit XP Pro sowie aktuell openSuse 11 befinden ist es schon seit Jahren mein treuer Begleiter.
    Vor 4 Monaten habe ich ihm für 40€ einen neuen HC-Akku gegönnt & freue mich seitdem wieder über ca 7,5h mögliche Arbeitszeit.

  5. Kai 'wusel' Siering

    Cooles Foto — ich hatte den Acer ja in die engere Wahl gezogen, weil er, anders als Asus’ 901er, eben eine Platte und nicht diesen SSD/Flash-Abklatsch von Speichermedien hat. Aber nach dem Bericht ist dann die Aspire-Line gestorben; wenn’s noch den dicken Akku für mein Vaio Z600NE gäbe (PCGA-BPZ52 mit 4200 mAH ist leider seit Jahren nicht mehr erhältlich), hätte ich mich nach Netbooks vielleicht nicht einmal umgeschaut. (Ok, die R/Z-600- bzw -505-Serie ist nun rd. 8 Jahre alt …)
    Mit dem Medion akoya Mini (MSI WIND U100) bin ich recht zufrieden, das Teil bootet flink, läuft auch komplett unter Linux (Ubuntu 8.04.1), es ist leicht, klein, handlich. Das Netzteil bei Medion ist allerdings auch etwas groß, die sonstige Probleme habe ich dort nicht. Mit Mühe ist es auch unter Sonnenbestrahlung im Garten nutzbar, aber eine gute Figur hat dort eigentlich bislang kein Gerät gemacht, Nokia N810 eingeschlossen …

  6. Richard

    Hi,

    na dann hat die Frau ja auch was von dem Teil :)

    Das Foto ist stark.

  7. Klaus Keppler

    Meine Frau ist doch schon so schön, daß Sie keinen Schminkspiegel braucht. :-P

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