Gratis-Webspace in Linz

Heise.de hat heute über Gratis-Webspace für Linzer berichtet. Was mir an dem Beitrag förmlich in die Augen gestochen ist, ist folgender Absatz:

Der SP-Abgeordnete [Christian Forsterleitner] hatte das Projekt vor knapp zwei Jahren mit einem Antrag zu einer Machbarkeitsstudie angestoßen. Kommerzielle Webspace-Anbieter gerierten sich zu oft als Zensoren und löschten unerwünschte Inhalte, etwa bestimmte politische Kritik oder Selbstdarstellungen sich offen bekennender Homosexueller, klagte seine Partei damals. Auch andere Inhalte, bei denen nur die Möglichkeit eines Rechtsbruchs bestünde, würden zu leichtfertig entfernt.

Wenn ich das richtig verstehe, möchte die Volkshochschule Linz nun also für bis zu 165.000 Einwohner Webspace anbieten, weil kommerzielle Provider zu streng zensieren würden? Na da bin ich ja mal gespannt. Ich tippe mal auf ein grandioses Fiasko. :-)

Zum einen erfordert der Betrieb von Shared Webhosting im großen Stile doch eine Menge Know-How, das über die Bedienung eines Confixx oder Plesk hinausgeht. Zum anderen bin ich gespannt, ob die Volkshochschule als technischer Betreiber die erforderliche Infrastruktur, Manpower und Kenntnisse für den Support aufbringen kann. Gerade technisch weniger versierte Kunden sind im Support unverhältnismäßig aufwendiger (und kalkulatorisch “teurer”) als Profi-User, die auch bereit sind ein angemessenes Entgelt für die Leistungen zu zahlen.
Und auch was den Zensurvorwurf betrifft bin ich gespannt: gerade kostenlose Webspace-Angebote sind häufig Quelle für illegale Inhalte. Gut, in Linz erhält man seine Zugangsdaten dann wohl per Post (womit die Identität sichergestellt ist). Warum man dann aber kritische Fragen zur Kommunalpolitik besser auf Servern hosten können soll, die ausgerechnet von der Kommune betrieben werden, ist für mich irgendwie nicht nachvollziehbar.

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