Bezug zur Realität

Eine großes deutsches Webhosting-Forum hat seit einer Weile ein neues Ausschreibunggsystem online. Darunter finden sich immer häufiger echt interessante Anfragen:

- Webhosting-Paket oder managed vServer
- mind. 30 GB Speicherplatz
- mind. 1-2 GB RAM
- 24/7 Backup usw…
- 3000 GB Traffic (oder Flat)
für 10-20 Euro pro Monat

Würde man an die Preisvorstellung noch eine weitere Null anfügen, könnte ich mir sogar vorstellen ein Angebot abzugeben. Aber selbst dann müsste man den Traffic nochmal nachverhandeln.

Anfragen kostet ja erstmal nichts, und es finden sich vielleicht auch tatsächlich Anbieter, die für diesen Preis glauben, lukrativ wirtschaften zu können. Aber mal im Ernst: wer die angefragten Ressourcen tatsächlich beansprucht, verursacht dem Anbieter mindestens rund 200 EUR Kosten pro Monat. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann man sich den nächsten Anbieter suchen darf…

Bei uns gibt’s gemanagte virtuelle Server übrigens ab 58,31 EUR brutto (49,- EUR netto) pro Monat - inkl. 250 GB Traffic. :)

3 Bemerkungen zu “Bezug zur Realität”

  1. Stefan

    Tja, wie man’s nimmt. Letztens gefunden:

    - keine Mindestvertragslaufzeit
    - monatlich kündbar
    - 30GB HDD
    - 512MB RAM
    - 1024MB SWAP/Flexi-RAM
    - 1,5TB Traffic
    - 8,00 Euro / Monat
    - 5,00 Euro Setup

    Und die Firma gibt’s seit 2003.

    Und mal ehrlich: was kostet denn Storage? Im Moment 50-60 Euro das TB “roh”, plus natürlich RAID-Overhead, Stromkosten etc. Da versteh ich aber immer noch nicht, dass manche vServer-Anbieter bei 4 oder 8 GB Storage anfangen, das sind Cent-Beträge. Traffic ist natürlich was anderes.

    Aber für 49,- Euro im Monat bekommt man z.B. bei einem der größten Hoster in DE (!) folgendes:
    - Intel® Core™ i7-920 Quad-Core inkl. Hyper-Threading-Technologie
    - Arbeitsspeicher 8 GB DDR3 RAM
    - Festplatten 2 x 750 GB SATA-II HDD (Software-RAID 1)
    - Netzwerkkarte 1 GBit OnBoard mit 100 MBit-Anbindung
    - Backup Space 100 GB
    - Traffic Unlimited (nach 5TB Drosselung)

    Teilen wir das mal durch 4 und schon sind wir bei einem Angebot wie gesucht ;)

    Naja, aber es muss ja jeder wirtschaften wie er es für richtig hält…

  2. Klaus Keppler

    Bitte keine Äpfel mit Birnen vergleichen. :)

    Unter “Managed vServer” verstehe ich, dass ein Admin sich regelmäßig (in Absprache mit dem Kunden) um OS-Updates kümmert. Wer das für 1-2 EUR pro Monat schafft, ohne ein 1-Mann-Betrieb zu sein, und seinen Leuten dann noch anständige Gehälter zahlen kann, darf sich gerne mal bei mir melden.

    Es gibt Unmengen an Angeboten, bei denen “Bare Metal” zu Dumpingpreisen verschleudert wird. Und die Kalkulation ist auch ganz einfach: der “Unternehmer” kauft seine Leistungen zu extrem billigen Preisen ein, schlägt 10% drauf, und verkauft das dann weiter.

    Das o.g. Server-Angebot kenne ich natürlich. Das funktioniert, weil billigste Hardware in großen Mengen zu billigen Tower-Servern verschraubt wird. Sollte man aber beispielsweise für einen anspruchsvollen Datenbankserver einen Hardware-RAID-Controller mit Batteriepuffer und 15K SAS-Platten brauchen, sieht die Kalkulation auch wieder ganz anders aus.

    49,- EUR brutto = 41,17 EUR netto; das setzt sich aus rund 15 EUR Strom, 15 EUR Hardware und etwa 10 EUR “Gewinn” pro Monat zusammen.

    Natürlich kann man mit 10 EUR Marge pro Server wirtschaften (wobei hier natürlich noch Personal, Marketing, FiBu usw. abgezogen werden müssen). Dafür gibt’s dann eben mal einen Stromausfall mit 10.000 Servern (weil bei der USV gespart wurde) oder eben nur den Hotline-Tipp den Server neu zu installieren, falls der Apache nicht startet.

    Fazit: Angebote lassen sich eigentlich nur dann vergleichen, wenn man auch den Service und die Qualität dahinter mit vergleicht.
    Ich gebe zu, dass man die ursprünglich angefragte Leistung locker für <10 EUR pro Monat erbringen kann, aber ich behaupte mal, dass das nur im absoluten Massenmarkt (ohne nennenswerten Service) oder nur nur mit minimalem Gewinn (”Wohnzimmer-Provider”) funktioniert.

  3. Klaus Keppler

    200g Schweineschnitzel kosten beim Großhandel wahrscheinlich auch nur 1 EUR, plus natürlich Paniermehl und Strom. Warum kostet sowas im Restaurant dann aber rund 10 Euro?
    ;-)

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