Tagesarchiv für den 10. Februar 2011

Vorerst keine SEPA-Lastschriften

Donnerstag, den 10. Februar 2011

Ich habe seit vielen Monaten gespannt das Thema “SEPA-Lastschriften” verfolgt. Von der Idee her eine tolle Sache - so könnten wir beispielsweise die monatlichen Rechnungsbeträge auch von unseren Kunden in Spanien, Frankreich usw. per Lastschrift einziehen. Theoretisch.

Inzwischen liegen mir die Verträge unserer Hausbank für SEPA-Lastschriften vor, und nach einem längeren Gespräch habe ich nun entschieden, dass wir vorerst keine SEPA(-Basis)-Lastschriften anbieten werden.

Unsere Kunden in Deutschland werden wir nach wie vor über “normale” Lastschriften abrechnen, da wir zum einen für SEPA-Lastschriften erneut eine Unterschrift jedes Kunden benötigen würden (das sogenannte “SEPA-Mandat”). Zum anderen würden Rücklastschriften künftig alleine 15 Euro Bankgebühren (!) verursachen - das möchten wir unseren Kunden nicht antun.

Auch bei ausländischen Kunden lohnt sich das für uns nicht wirklich: das Risiko, bei Bestellungen mit gefälschten Identitäten auf diesen horrenden Gebühren sitzen zu bleiben, ist einfach zu hoch. In Österreich und der Schweiz haben wir jeweils Konten vor Ort (um den dortigen Kunden eine einfache Zahlung zu ermöglichen). Und die wenigen Kunden aus dem “entfernteren” Ausland zahlen eben per kostengünstiger und risikofreier SEPA-Überweisung.

Der ganze formale Aufwand (Fax/Brief mit Unterschrift auf europaweit einheitlich genormten Floskeln), die hohen Gebühren und nicht zuletzt das relativ große Risiko bei Auslandslastschriften (ohne vorherige, umfangreiche Identifizierung) machen SEPA-Lastschriften für uns absolut uninteressant.

Für B2B-Geschäfte mag die SEPA-Firmen-Lastschrift vielleicht eine ganz nette Sache sein. Für eCommerce ist die SEPA-Lastschrift meiner Meinung nach völlig ungeeignet. Bei Kreditkartenzahlungen existieren immerhin viele Schutzmechanismen für “Fraud Prevention”. Wie sollen wir aber beispielsweise bei einer Bestellung aus Rumänien prüfen, ob das zugesendete SEPA-Mandat nicht gefälscht ist? (das ist nur als Beispiel gemeint, nicht als Unterstellung!) Solche Lastschriften könnten dann auch nach 13 Monaten noch zurückgegeben werden - man kann sich schnell ausrechnen, welcher Schaden entsteht, wenn ein Jahresumsatz plus 12x 15,- EUR Rücklastgebühren hier aufschlagen.
Ich bin ja mal gespannt wie sich das weiter entwickelt. Es ist ja geplant, bis 2014 nationale Lastschriftverfahren komplett “abzuschaffen” und durch SEPA-Lastschriften zu ersetzen. Für Otto Normalverbraucher bedeutet das allerdings keine wirkliche Kostenersparnis, weil die saftigen Bankgebühren sowie eventuelle Umlagen gegen Zahlungsausfälle auf die Endkundenpreise aufgeschlagen werden müssen.

Gewinner sind am Ende wieder die Banken. Kein Risiko, weniger EDV-Aufwand, höhere Gebühren. Prima.