Vorerst keine SEPA-Lastschriften

Ich habe seit vielen Monaten gespannt das Thema “SEPA-Lastschriften” verfolgt. Von der Idee her eine tolle Sache - so könnten wir beispielsweise die monatlichen Rechnungsbeträge auch von unseren Kunden in Spanien, Frankreich usw. per Lastschrift einziehen. Theoretisch.

Inzwischen liegen mir die Verträge unserer Hausbank für SEPA-Lastschriften vor, und nach einem längeren Gespräch habe ich nun entschieden, dass wir vorerst keine SEPA(-Basis)-Lastschriften anbieten werden.

Unsere Kunden in Deutschland werden wir nach wie vor über “normale” Lastschriften abrechnen, da wir zum einen für SEPA-Lastschriften erneut eine Unterschrift jedes Kunden benötigen würden (das sogenannte “SEPA-Mandat”). Zum anderen würden Rücklastschriften künftig alleine 15 Euro Bankgebühren (!) verursachen - das möchten wir unseren Kunden nicht antun.

Auch bei ausländischen Kunden lohnt sich das für uns nicht wirklich: das Risiko, bei Bestellungen mit gefälschten Identitäten auf diesen horrenden Gebühren sitzen zu bleiben, ist einfach zu hoch. In Österreich und der Schweiz haben wir jeweils Konten vor Ort (um den dortigen Kunden eine einfache Zahlung zu ermöglichen). Und die wenigen Kunden aus dem “entfernteren” Ausland zahlen eben per kostengünstiger und risikofreier SEPA-Überweisung.

Der ganze formale Aufwand (Fax/Brief mit Unterschrift auf europaweit einheitlich genormten Floskeln), die hohen Gebühren und nicht zuletzt das relativ große Risiko bei Auslandslastschriften (ohne vorherige, umfangreiche Identifizierung) machen SEPA-Lastschriften für uns absolut uninteressant.

Für B2B-Geschäfte mag die SEPA-Firmen-Lastschrift vielleicht eine ganz nette Sache sein. Für eCommerce ist die SEPA-Lastschrift meiner Meinung nach völlig ungeeignet. Bei Kreditkartenzahlungen existieren immerhin viele Schutzmechanismen für “Fraud Prevention”. Wie sollen wir aber beispielsweise bei einer Bestellung aus Rumänien prüfen, ob das zugesendete SEPA-Mandat nicht gefälscht ist? (das ist nur als Beispiel gemeint, nicht als Unterstellung!) Solche Lastschriften könnten dann auch nach 13 Monaten noch zurückgegeben werden - man kann sich schnell ausrechnen, welcher Schaden entsteht, wenn ein Jahresumsatz plus 12x 15,- EUR Rücklastgebühren hier aufschlagen.
Ich bin ja mal gespannt wie sich das weiter entwickelt. Es ist ja geplant, bis 2014 nationale Lastschriftverfahren komplett “abzuschaffen” und durch SEPA-Lastschriften zu ersetzen. Für Otto Normalverbraucher bedeutet das allerdings keine wirkliche Kostenersparnis, weil die saftigen Bankgebühren sowie eventuelle Umlagen gegen Zahlungsausfälle auf die Endkundenpreise aufgeschlagen werden müssen.

Gewinner sind am Ende wieder die Banken. Kein Risiko, weniger EDV-Aufwand, höhere Gebühren. Prima.

3 Bemerkungen zu “Vorerst keine SEPA-Lastschriften”

  1. Dennis

    Darf denn die Bank so ohne weiteres Rücklastschriftgebühren berechnen? Ich war immer davon überzeugt, dass sie das selber nicht darf und nur das entsprechende Unternehmen die Gebühr geltend machen darf.

    Meine Bank berechnet mir zumindest keine.

  2. Klaus Keppler

    Dir Gebühren werden demjenigen berechnet, der die Lastschrift eingereicht hat (dem Kontoinhaber natürlich nicht). Das ist bei SEPA weiterhin so, nur dass die Gebühren um 150% (!) steigen.

  3. darkstar

    Das ist Unsinn. Die BGH-Rechtssprechung gegen Rücklastschriftgebühren gilt selbstverständlich auch künftig für SEPA-Lastschriften.

    Die gleichen Ausreden hört man von den Online-Händlern auch wenn es darum geht Ihre unsicheren Passwortzugangssysteme auf technischem Stand der 70er-Jahre endlich zu modernisieren, Selbst PayPal ist da Beispielhaft mit dem Hardware-Sicherheitsschlüssel. Der kleine Schlüsselanhänger von vasco.com reicht völlig und kostet gerade mal 5€. Im Masseneinkauf 1€.

    Aufwendige kabelgebundene Chipkartenlesersysteme für den neuen Personalausweis e-ID bringen dagegen keinen Sicherheitsgewinn weil die keiner einsetzen wird, denn wie soll man so einen Chipkartenleser ans Smartphone anschliessen? Und wer macht die Android app dafür?

    Dieser “Bundespostmist” Ausweisapp vom BSI ist softwaretechnisch sowieso reiner Schrott, und qualifizierte elektronische Signaturen braucht keiner laut Art.5, Abs.2, 1999/93/EG und deutscher OLG-Rechtssprechnung.
    http://debianforum.de/forum/viewtopic.php?f=28&t=130170&p=834800#p834800

    Reine Geldmacherei von Reiner SCT & Co und kommerziellen Zertifikatsausstellern diese e-ID.

    Die Händler wollen sich bloss wieder vor den Kosten für anständige Shopsoftware zur Profitmaximierung drücken und die Risiken des Onlineshoppings weiter auf die Verbraucher abwälzen,

    genau wie die Banken, die vom BGH ja leider von jeder Haftung für ihren unsicheren EDV-Schrott befreit wurden, Banken im Ausland setzen ebenfalls schon lange kabellose Chipkartenleser für die Hosentasche ein.

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